Cassini und Himalia
Cassini und Himalia
Es war einmal ein kleiner, weiß-grau-gelber Nymphensittich mit einem aufregenden und zugleich leidvollen Lebensweg. Der Kleine flog vor 12 Jahren einem Mädchen zu, die ihn in einen kleinen Käfig sperrte, ins Wohnzimmer stellte und Lilli nannte, da sie nicht wusste, ob er ein Männlein oder ein Weiblein war. Sie wusste nicht, wie man einen Nymphensittich artgerecht hält. Weil er einen gesunden Stoffwechsel hatte, durfte er nicht aus seinem winzigen Käfig heraus, und so saß er tagein, tagaus auf harten Stangen und war ein trauriger kleiner Vogel. Da begann er aus lauter Trauer zu schreien, und er schrie so laut, dass man ihn in ein kleines, dunkles Zimmer weitab vom Geschehen stellte und vergaß.
So vergingen viele lange Jahre. Doch seine Besitzerin hatte eine Schwester, die zufällig mit einer Nymphenverrückten in dieselbe Klasse ging. Diese Nymphenverrückte hatte auf ihrem Laptop viele Bilder ihrer zwei Kobolde, die sie als Hintergrundbild benutzte. So geschah es, dass die Schwester einmal etwas auf dem Laptop der Nymphenverrückten betrachtete und das Hintergrundbild sah. Sie sagte: "Meine Schwester hat auch so einen. Wie hältst du das Geschrei bloß aus." Da antwortete die Nymphenverrückte: "Meine schreien selten, und wenn, dann nur aus Freude am Leben." Da sagte das andere Mädchen, dass ihre Schwester nur darauf warte, dass der lästige Federsack endlich sterbe. Die Nymphenverrückte hatte viel Mitleid mit dem armen Nymphensittich und bot an, ihn zu übernehmen.
Zwei Wochen später veränderte sich die kleine Welt des einsamen Vogels. Er wurde in ein Auto gepackt und an einem fremden Ort wieder ausgeladen. Und dort hörte er Stimmen seiner eigenen Art! Er schrie die ganze Nachbarschaft zusammen, so sehr wollte er zu den anderen. Doch er war krank, deshalb durfte er nicht. Sein Beinchen schmerzte, weil ihm der Ring ins Fleisch eingewachsen war. Als der Tierarzt ihn entfernte, fielen Fleischfetzen vom Beinchen ab. Er bekam Milbentropfen gegen die Parasiten, die ihm jahrelang die Nasenlöcher zerfressen hatten, und Salbe für seine geschundenen Füßchen, die sich durch das jahrelange Sitzen auf den schrecklichen Stangen entzündet und Geschwüre gebildet hatten. Lange, qualvolle Tage rannte er in seinem Käfig hin und her und saß auf gepolsterten Ästen. Täglich wurde er von der Nymphensittichtante gequält, bis er endlich seine Medizin schluckte. Er wurde Cassini genannt, weil er durch Hüpferchen und Klopferchen sein Geschlecht verriet, und wurde so mit dem Namen der Raumsonde in den Sternenschwarm integriert.

Dann endlich kam der große Tag. Der Nymphennärrin und ihrem Freund klingelten die Ohren, und die Nerven lagen blank nach tagelangem Geschrei. Wie schon lange geahnt, wurden Cassini und die Dame des Hauses, Cali, noch am selben Abend ein Paar. Io, Calis Bruder, hatte dabei erst einmal das Nachsehen.
So beschloss die Nymphenverrückte gemeinsam mit ihrem Freund, nach einem vierten Schreihals zu suchen. Eine Geperlte sollte es sein, um ganz sicher zu gehen, auch wirklich eine Dame ins Haus zu holen. Doch die Tage vergingen, und kein Tierheim im weiten Umkreis hatte eine Henne. Endlich kam vom Tierheim Stuttgart die erlösene Nachricht: Es sitze dort schon sein längerer Zeit ein älteres Dämchen, allerdings solle man es sich gut überlegen. Denn es sei eine ältere Nymphensittichdame, etwa 10 Jahre alt. Doch diese Tierheimhenne sollte es sein. Im Tierheim konnte die Nymphensittichverrückte ihren Augen nicht trauen. Dort saß ein wunderschönes, geperltes Hennchen. Schnell waren die Formalitäten erledigt, und das kleine Federbündel hatte es sich imTransportkäfig auf einem Sitzbrett bequem gemacht. Da fragte die Nymphensittichverrückte nach der Vergangenheit der schönen Henne, und war schockiert angesichts der Grausamkeit mancher Mitmenschen. Die Kleine wurde auf einem Gehweg in Stuttgart ausgesetzt und von einer Passantin ins Tierheim gebracht. Dort wollte sie keiner haben, denn Madame hatte sich einen Flügel gebrochen, der nicht behandelt wurde. So wurde sie für immer flugunfähig.
Zuhause angekommen, wurde "Brunhilde" schnell in Himalia oder Mali umgetauft. Bald stellte sich heraus, dass Mali nicht 10, sondern 23 Jahre alt war. Die Kleine hatte sofort Vertrauen in ihre neuen Futtergeber und senkte bald das Köpfchen, um gekrault zu werden.So leben alle vier hoffentlich glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Cassini und Mali haben sich hier gut eingelebt. Mali weiß sich zu behaupten, ist aber leider auf Menschen geprägt. Io und Cassini stehen beide auf Cali, die ihre Rolle als Henne im Korb genießt. Aber es gibt kaum Streit unter den Hähnen. Mal darf der eine, mal der andere. Cassini habe ich überhaupt noch nie schreien gehört, außer, um den Tag zu begrüßen oder um den Anschluss an die andern zu finden, wenn die wieder mal ums Eck verschwunden sind. Cassini hat gelernt, dass die Hand nicht böse ist, und steigt gerne auf den Finger. Mali wird sich wohl nie den andern zuwenden, doch sie ist schon so alt, dass sie etwas Besseres verdient hat, als das Tierheim. Wenn ich einmal eine große Außenvoliere bauen kann *träum*, werden noch mehr lästige, unerwünschte, traurige und einsame Nymphensittiche ein neues Zuhause finden.
Es war einmal ein kleiner, weiß-grau-gelber Nymphensittich mit einem aufregenden und zugleich leidvollen Lebensweg. Der Kleine flog vor 12 Jahren einem Mädchen zu, die ihn in einen kleinen Käfig sperrte, ins Wohnzimmer stellte und Lilli nannte, da sie nicht wusste, ob er ein Männlein oder ein Weiblein war. Sie wusste nicht, wie man einen Nymphensittich artgerecht hält. Weil er einen gesunden Stoffwechsel hatte, durfte er nicht aus seinem winzigen Käfig heraus, und so saß er tagein, tagaus auf harten Stangen und war ein trauriger kleiner Vogel. Da begann er aus lauter Trauer zu schreien, und er schrie so laut, dass man ihn in ein kleines, dunkles Zimmer weitab vom Geschehen stellte und vergaß.
So vergingen viele lange Jahre. Doch seine Besitzerin hatte eine Schwester, die zufällig mit einer Nymphenverrückten in dieselbe Klasse ging. Diese Nymphenverrückte hatte auf ihrem Laptop viele Bilder ihrer zwei Kobolde, die sie als Hintergrundbild benutzte. So geschah es, dass die Schwester einmal etwas auf dem Laptop der Nymphenverrückten betrachtete und das Hintergrundbild sah. Sie sagte: "Meine Schwester hat auch so einen. Wie hältst du das Geschrei bloß aus." Da antwortete die Nymphenverrückte: "Meine schreien selten, und wenn, dann nur aus Freude am Leben." Da sagte das andere Mädchen, dass ihre Schwester nur darauf warte, dass der lästige Federsack endlich sterbe. Die Nymphenverrückte hatte viel Mitleid mit dem armen Nymphensittich und bot an, ihn zu übernehmen.Zwei Wochen später veränderte sich die kleine Welt des einsamen Vogels. Er wurde in ein Auto gepackt und an einem fremden Ort wieder ausgeladen. Und dort hörte er Stimmen seiner eigenen Art! Er schrie die ganze Nachbarschaft zusammen, so sehr wollte er zu den anderen. Doch er war krank, deshalb durfte er nicht. Sein Beinchen schmerzte, weil ihm der Ring ins Fleisch eingewachsen war. Als der Tierarzt ihn entfernte, fielen Fleischfetzen vom Beinchen ab. Er bekam Milbentropfen gegen die Parasiten, die ihm jahrelang die Nasenlöcher zerfressen hatten, und Salbe für seine geschundenen Füßchen, die sich durch das jahrelange Sitzen auf den schrecklichen Stangen entzündet und Geschwüre gebildet hatten. Lange, qualvolle Tage rannte er in seinem Käfig hin und her und saß auf gepolsterten Ästen. Täglich wurde er von der Nymphensittichtante gequält, bis er endlich seine Medizin schluckte. Er wurde Cassini genannt, weil er durch Hüpferchen und Klopferchen sein Geschlecht verriet, und wurde so mit dem Namen der Raumsonde in den Sternenschwarm integriert.

Dann endlich kam der große Tag. Der Nymphennärrin und ihrem Freund klingelten die Ohren, und die Nerven lagen blank nach tagelangem Geschrei. Wie schon lange geahnt, wurden Cassini und die Dame des Hauses, Cali, noch am selben Abend ein Paar. Io, Calis Bruder, hatte dabei erst einmal das Nachsehen.
So beschloss die Nymphenverrückte gemeinsam mit ihrem Freund, nach einem vierten Schreihals zu suchen. Eine Geperlte sollte es sein, um ganz sicher zu gehen, auch wirklich eine Dame ins Haus zu holen. Doch die Tage vergingen, und kein Tierheim im weiten Umkreis hatte eine Henne. Endlich kam vom Tierheim Stuttgart die erlösene Nachricht: Es sitze dort schon sein längerer Zeit ein älteres Dämchen, allerdings solle man es sich gut überlegen. Denn es sei eine ältere Nymphensittichdame, etwa 10 Jahre alt. Doch diese Tierheimhenne sollte es sein. Im Tierheim konnte die Nymphensittichverrückte ihren Augen nicht trauen. Dort saß ein wunderschönes, geperltes Hennchen. Schnell waren die Formalitäten erledigt, und das kleine Federbündel hatte es sich imTransportkäfig auf einem Sitzbrett bequem gemacht. Da fragte die Nymphensittichverrückte nach der Vergangenheit der schönen Henne, und war schockiert angesichts der Grausamkeit mancher Mitmenschen. Die Kleine wurde auf einem Gehweg in Stuttgart ausgesetzt und von einer Passantin ins Tierheim gebracht. Dort wollte sie keiner haben, denn Madame hatte sich einen Flügel gebrochen, der nicht behandelt wurde. So wurde sie für immer flugunfähig.
Zuhause angekommen, wurde "Brunhilde" schnell in Himalia oder Mali umgetauft. Bald stellte sich heraus, dass Mali nicht 10, sondern 23 Jahre alt war. Die Kleine hatte sofort Vertrauen in ihre neuen Futtergeber und senkte bald das Köpfchen, um gekrault zu werden.So leben alle vier hoffentlich glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Cassini und Mali haben sich hier gut eingelebt. Mali weiß sich zu behaupten, ist aber leider auf Menschen geprägt. Io und Cassini stehen beide auf Cali, die ihre Rolle als Henne im Korb genießt. Aber es gibt kaum Streit unter den Hähnen. Mal darf der eine, mal der andere. Cassini habe ich überhaupt noch nie schreien gehört, außer, um den Tag zu begrüßen oder um den Anschluss an die andern zu finden, wenn die wieder mal ums Eck verschwunden sind. Cassini hat gelernt, dass die Hand nicht böse ist, und steigt gerne auf den Finger. Mali wird sich wohl nie den andern zuwenden, doch sie ist schon so alt, dass sie etwas Besseres verdient hat, als das Tierheim. Wenn ich einmal eine große Außenvoliere bauen kann *träum*, werden noch mehr lästige, unerwünschte, traurige und einsame Nymphensittiche ein neues Zuhause finden.


2 Kommentare:
um 22:45, Claudia schrieb…
Was für ein entzückendes Foto.
Und was für eine tolle Erfolgsgeschichte. Daumen Hoch!
um 17:34, Sweety schrieb…
Ohhhhhhhhhhhhhhhhhhhh - die schnäbeln aber süß! Ich dachte nur Wellensittiche füttern sich gegenseitig???
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