NymphensittichBlog

15 Mai 2006


Und plötzlich ist da ein Artgenosse...

El Zahid hat vor zwei Wochen einen Vogel aufgenommen, der bisher in Einzelhaltung lebte und bereits gravierende Verhaltensstörungen zeigt. Sie hat für unser Projekt die ersten Erfahrungen aufgeschrieben:

Also, Ali habe ich bei dhd24 gefunden. Ich war nämlich auf der Suche nach einem Hahn für meine Henne (über sie könnte ich eigentlich auch gut berichten, sie ist nämlich ein halber Mensch und hält mich für ihren Partner, was sich aber schon deutlich gebessert hat, seitdem Ali da ist, aber nun ja...). Und da über Ali stand, dass er etwa 1,5 Jahre alt ist und nur in ein Zuhause mit Nymphengesellschaft (möglichst weiblich) kommen soll, habe ich mir gedacht, perfekt, das wäre doch was für Jabo (die Henne). Ich bin noch am gleichen Tag hingefahren (80 km Fahrtweg!!!) und dort habe ich mir dann Alis Geschichte erzählen lassen. Er war von Anfang an allein, was anfangs noch ganz gut ging, da er die volle Aufmerksamkeit der Familie hatte, dann wurde allerdings ein Graupapagei dazugeholt... Das hat natürlich nur solange geklappt, wie der Graupapagei noch nicht geschlechtsreif und sozusagen ein "Baby" war. Dann fing er nämlich an den Kleinen Nymphie auf unsanfte Weise "unterzubuttern". Und natürlich war der Graupapagei dann die Nr. 1 und Ali vereinsamte... Leider hing in seinem Käfig auch ein Spiegel sein "Kumpel", der dann zu seiner Hauptbeschäftigung wurde. Und irgendwann fing er an sich die Federn unter den Flügeln auszureißen...

Als ich Ali das erste Mal dort sah, habe ich mich sofort in ihn verliebt. Sein ehemaliges "Frauchen" war sehr nett und total vom schlechten Gewissen geplagt. Sie erzählte mir, dass Ali früher sehr zahm war und sie ihm das Köpfchen kraulen durfte, aber seitdem der Graupapagei da war, war das vorbei. Und die ausgerissenen Federn haben sie dann letztendlich dazu bewegt für ihn ein neues Zuhause mit Nymphengesellschaft zu suchen.

Ich habe Ali also mitgenommen, allein weil er mir so leid tat mit seinen zerfetzten Flügeln... (Der Graupapagei wird bisher weiter allein gehalten, aber ich hoffe, dass Alis Verhalten und unser Gespräch über Einzelhaltung diese Situation ändern werden.) Zuhause gab es dann Riesentheater. Jabo hat gefaucht und geschrien ohne Ende und Ali hat auch nur geschrien wie am Spieß, so dass ich ihn mitsamt Käfig erstmal in die Küche verfrachtet habe, damit er sich beruhigen kann. Dort saß ich dann die ganze Nacht und habe mit ihm geredet. Und jedesmal wenn ich aufstehen wollte fing er wieder an zu schreien und ich dachte o nein, jetzt habe ich zwei verhaltensgestörte Nymphies, was habe ich mir nur dabei gedacht? Und am nächsten Morgen ist er das erste Mal auf meine Hand geklettert... wahrscheinlich als Dank für die lange Nacht, denn eigentlich war er ja gar nicht mehr zahm.


Das ist die Henne Jabo

Am nächsten Tag habe ich Jabo probeweise zu ihm in den Käfig gesetzt. Und es gab keinen Kampf. Sie saßen beide friedlich auf einer Stange, wussten aber nicht so recht etwas miteinander anzufangen. Tja, am Nachmittag ist Ali dann in die Zimmervoliere eingezogen. Dort leben zwei Wellis, Jabo und er seitdem mehr oder weniger friedlich miteinander.

Leider sind Ali und Jabo bisher nicht gerade verliebt ineinander. Zwar tun sie fast alles zusammen -fressen, spazieren gehen, schlafen, fliegen usw. aber alles mit einem gewissen Körperabstand und ohne Austausch von Zärtlichkeiten. Zwischendurch wird Ali total aggressiv und greift alles an, was sich bewegt, so dass ich manchmal nicht weiß, was das nun schon wieder für eine Macke von ihm ist, aber meistens kann sich Jabo gut zur Wehr setzen, so dass ich bisher nie einschreiten musste. Auch musste ich sämtliche Spiegel in der Wohnung verhängen, weil er sonst stundenlang davor sitzt. Und alles was glitzert macht ihn total aggressiv. Ich habe nämlich im Wohnzimmer ein hohes Regal stehen, in dem viel Keramik und Deko steht und am Anfang ist er ständig dort hineingeflogen und total ausgeflippt, wenn man ihn da wieder rausholen wollte. Dann hat er einen attackiert wie ein wildgewordener Greifvogel. Somit habe ich das Regal mit einem Tuch zugehängt und jetzt ist er ruhiger geworden.



Das ist der Hahn Ali.

Leider erwische ich Ali nach wie vor dabei, wie er sich nachwachsende Federkiele unter den Flügeln rauszieht... Diese kleinen blutigen Stumpen verteilt er dann überall und es tut mir selber richtig weh, das zu sehen. Vor allem weil ich nichts dagegen tun kann. Dort wo der Flügel mit dem Körper verwachsen ist-sozusagen die Schulter-, befindet sich bei ihm nur noch ein pergamentdünnes Stück Haut-alles andere hat er förmlich "abgefressen". Davon abgesehen gibt es winzige Fortschritte: ich habe jetzt schon dreimal beobachtet wie Ali Jabo sein Köpfchen hinhält und gekrault werden möchte - eine Aufgabe, die er leider mir zugeteilt hat, aber anscheinend langsam merkt, dass das wohl lieber Jabo machen sollte. Allerdings wollte sie dies bisher noch nicht, da sie ihm misstraut und wohl denkt, er könnte wieder gleich nach ihr hacken... Aber es ist schon mal ein Anfang und wer weiß was noch folgt...??? Auf jeden Fall werde ich die beiden gut im Auge behalten und hoffen, dass sie sich gegenseitig das Vogeldasein wieder schmackhaft machen - wobei Jabo natürlich längst nicht so ein Problemfall ist wie Ali. Sie ist halt ein extrem zahmer Nymphensittich, der aber durchaus etwas mit Gesellschaft anfangen kann. Ali hingegen ist ein echter Einzelgänger und verfolgt lieber mich durch die ganze Wohnung als Jabo hinterherzufliegen... Naja, wir werden sehen wie sich die beiden in den nächsten Wochen entwickeln... Positiv ist schon mal, dass Ali sein Vertrauen zurückgewonnen hat und nur misstrauisch ist, wenn wir viel Besuch haben, ansonsten ist er jetzt auch wieder sehr zutraulich geworden. Und angeben tut er wie ein Großer. Stolziert auf dem Schrank herum und hebt seine Flügel und dreht sich in alle Richtungen damit ihn auch ja jeder sieht. Schade ist nur, dass das unter seinen Flügeln ein schmerzhafter Anblick ist... Aber davon abgesehen ist er wieder ein sehr fröhlicher Vogel geworden, der nur noch verstehen muss, dass da eine wunderschöne Henne mit ihm zusammenwohnt und ein wenig umworben werde möchte... ;-) Aber noch kann man ja hoffen... wir stehen ja erst am Anfang...
El Zahid

7 Kommentare:

  • um 12:09, Anonymous Gisela schrieb…

    Das ist aber toll dass du den vogel aufgenommen hast, schön dass es menschen gibt die sich um sowas kümmern!!

     
  • um 07:55, Anonymous El Zahid schrieb…

    Danke Gisela, wenn ich mehr Platz hätte, würde ich, glaube ich, alle armen Nymphensittiche dieser Welt bei mir aufnehmen. Aber die Möglichkeit habe ich leider nicht. Es gibt so viele Abgabetiere, die dringend Hilfe benötigen. Habe erst letztens wieder einen üblen Rupfer gesehen und musste mich schwer zurückhalten...

     
  • um 12:49, Anonymous Conrads Frauchen schrieb…

    Ich habe ebenfalls so einen kleinen Rupfer daheim, der sich die Federn unter den Flügeln ausreißt. trotzdem er Nymphensittichgesellschaft hat, ständig Freiflug bekommt und in einer großen Voliere wohnt hört er nicht auf damit. Es gibt Zeiten, da wächst alles schön nach und man meint, es gehe aufwärts, doch dann rupft er wieder. Leider glaube ich, er wird das nie ablegen :-(. Aber sonst ist er sehr fröhlich und fidel und das übrige Gefieder schaut gesund und glänzend aus. Ich finde es schön, daß Dein kleiner Ali schließlich noch Anschluß fand. Respekt vor Deiner geduld.

     
  • um 11:46, Anonymous Anonym schrieb…

    Ich glaube,das Federrupfen hat nichts mit damit zu tun,das ein Nympi einsam ist. Mein Nymp.ist 18Jahre,super zahm.läßt sich nur von mir kraulen.das vor 12 Jahren dazu gekaufte Weibchen ignoriert er einfach.Er ist kein Federrupfer.Das Weibchen auch nicht.

     
  • um 09:14, Anonymous hasemuckelchen schrieb…

    Jackos Frauchen braucht Hilfe!!!!
    Habe Jacko Ende Februar aus einer Familie geholt, die ihn in einem Käfig (50x30x60)auf den Balkon, ungeschüzt auch bei -12°, abgeschoben hat. Futter und Wasser hatte er, sonst nichts. Und geschrien hat er. Er war ja einsam. Wer geht schon im Winter auf den Balkon. Hab ihn übernommen mit dem kleinen Käfig, dafür hatte er bei mir Freiflug. Er hat sich schnell eingewöhnt und mir auch die Augenbrauen gezupft. Aber wenn ich nicht im Zimmer war, hat er nur gekluckt.Kam ich rein, war er wie ausgewechselt. Habe nun viel über Nymphen gelesen und mich entschlossen: Ein größerer Käfig muß her und eine Frau, damit er nicht immer die Decke, mit der ich ihn abends abdecke, vergewaltigt. Muß noch dazu sagen, dass Jacko wahrscheinlich so um die 2 Jahre ist, die Henne ist erst 1/2 Jahr alt. Nun gibt es ein großes Problem: Jacko wollte von Anfang an mit Jeanny schmusen, doch sie will nicht. Jacko wurde deshalb ziemlich agressiv und hackt nach ihr. Sie wehrt sich zwar, aber diese dauernden Kämpfe belasten mich. Er tut mir leid, weil er immer wieder seinen Kopf zum Kraulen hinhält und sie nichts macht. Und sie tut mir leid, weil er immer wieder nach ihr hackt.
    Nun habe ich gehört, das die Nymphen erst mit ca. 1 1/2 Jahren geschlechtsreif werden und Jeanny mit Jacko nocht nichts anzufangen weiß. Soll ich noch warten oder lieber an den Züchter zurückgeben und eine gleichaltrige Henne nehmen??? Ein Jahr mit ständigen Streitereien ist ziemlich lang.
    Für Eure Stellungnahme bin ich sehr dankbar. Das traurige Frauchen Renate

     
  • um 10:06, Anonymous Jana schrieb…

    Bitte wende dich per E-Mail an uns. Ohne Kontaktdaten können wir dich nicht beraten. Am einfachsten ist es über das Kontaktformular:
    http://www.nymphensittichseite.de/kontakt.php

     
  • um 17:22, Anonymous Anonym schrieb…

    Hallo.
    Ich hatte 5 Jahre einen Nymphensittich einzeln gehalten. Superzahm und anhänglich. Als ich eine Woche im Urlaub war hat er sich die Schwungfedern an den Flügeln ausgerissen, so dass er nicht mehr fliegen konnte. Da habe ich mich entschlossen einen Artgenossen anzuschaffen. 3 Wochen sind die beiden schon zusammen und mein zahmer Nymphensittich schreit immer noch nach mir, anstatt sich um seinen Artgenossen zu kümmern.
    Wird sich das noch geben?

     

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